Operationstechniken in der Handchirurgie

Hände (und auch Füße) weisen den höchsten Dichtegrad hochentwickelter Strukturen des gesamten menschlichen Körpers auf.
Jeder unserer Finger „besitzt“ vier Nerven, zwei Haupt- und zwei Nebenarterien, ein Geflecht von venösen Blutleitern, zwei Beugesehnen sowie ein höchst komplexes Werk von Stecksehnen, zwei (Daumen) und drei (Langfinger) Knochen, zwei/drei Gelenke, die den unterschiedlichsten Anforderungen gerecht werden müssen.

Neben der brillanten Kenntnis der Anatomie und Funktionsweise dieser Strukturen sind für erfolgreiche Handoperationen folgende Prinzipien zwingend:

  • eine absolut gewebeschonende Operationstechnik (atraumatische Op-Technik mit speziellem handchirurgischem Instrumentarium)
  • Operation in Blutleere. Hierzu wird das Blut mit einer Gummimanschette aus dem Arm gewickelt und darüber wird die Blutzufuhr unterbunden. Die maximale Dauer der Blutleere beträgt 2 Stunden
  • Operation unter Lupenvergrößerung. Da die Strukturen sehr fein sind, ist eine 2-fache Lupenvergrößerung die Regel. Fingernerven können unter 4-facher Lupenvergrößerung koabtiert (genäht) werden, während die Blutgefäße der Finger sowie die einzelnen Faszikel (Hauptstränge) der größeren Nerven unter dem Operationsmikroskop versorgt werden.
  • Da die Arme aus unserem Körperstamm herausragen sind sie schonenden, regionalen Betäubungsverfahren gut zugänglich (Plexus- oder Geflechtbetäubung in der Achselhöhle)
  • eine qualifizierte, funktionsgerechte Nachbehandlung. Es werden nach einer Operation nur Gelenke ruhiggestellt (immobilisiert), welche direkt betroffen sind. Da die Fingergelenke nach Handoperationen sehr störanfällig sind und leicht einsteifen, darf eine Immobilisation nicht länger als unbedingt erforderlich geschehen. Der früh-funktionellen Übungsbehandlung ist in jedem Falle der Vorzug zu geben.