Die Hand im Zentrum menschlicher Existenz

Hände stehen im Mittelpunkt menschlichen Wirkens. Sie sind unsere Werkzeuge in vielerlei Hinsicht. Wir arbeiten mit unseren Händen, fühlen und ertasten, wärmen, gestikulieren und schreiben. Mit unseren Händen können wir  zärtlich oder grob sein.
Nach unserer Mimik verleihen uns unsere Hände am ehesten Ausdruck unserer Gefühle. Die „sprechenden Hände“ taubstummer Menschen sind Ausdruck einer eindrucksvollen Wechselwirkung des menschlichen Steuerorgans Gehirn mit den hochdifferenzierten Funktionen der Hand.
Wir ballen Fäuste, klatschen, beten, vergraben die Hände in unseren Taschen.
Unsere Hände sind direkte Werkzeuge unseres Geistes. Diese Synthese von beiden unterscheidet uns von den Tieren.

Um uns nahezu unbegrenzten gestalterischen Spielraum zu ermöglichen, hat uns die Natur die „Opposition“ des Daumens beschert. Durch die Opposition wird die differenzierte Funktion der menschlichen Hand ermöglicht.
Der Daumen steht in Opposition, also gegenüber den Langfingern. Nur so kann ein Uhrmacher arbeiten oder ein Philosoph seine Gedanken zu Papier bringen.
Viele von uns erinnern sich an die Aufforderung des Turnlehrers: „Wenn Du die Reckstange greifst, mache keinen Affengriff (5 Finger in einer Reihe), sondern den Menschengriff (mit Opposition des Daumens gegenüber den Langfingern).

Hände (und auch Füße) weisen die höchste Dichte an unterschiedlichen und allesamt sehr wichtigen Strukturen des Körpers auf. Jeder Finger verfügt über vier Nerven, zwei Haupt- und zwei Nebenarterien, ein Konvolut von Venen, zwei Beuge- und ein ausgeklügeltes System von Strecksehnen.
Einige Beispiele für die äußerst differenzierte Funktion unserer Finger: Beugen Sie einmal den Zeigefinger im Grundgelenk, ohne Mittel- und Endgelenk zu beugen. Es funktioniert, aber warum?
Nicht die Beugesehen sind hier am Werk, wie vielleicht erwartet, sondern zwei unterschiedliche Handbinnenmuskeln beugen im Grundgelenk und strecken paradoxerweise im Mittel – und Endgelenk.
Oder strecken Sie Ihr Grundgelenk und beugen im Mittel– und Endgelenk, auch das geht – es bewerkstelligen wiederum die tiefen und oberflächlichen Beugesehnen in Kombination der langen Strecksehnen.
Oder, warum können wir Zeige- und kleinen Finger bei Beugung der anderen Langfinger strecken, dagegen Mittel- und Ringfinger bei Beugung aller Finger nicht? Weil Zeige- und Kleinfinger über zwei zusätzliche Strecksehnen verfügen, die mit den Sehnen der anderen Finger nicht verwachsen sind.

Können Sie sich, wenn Sie das Vorstehende gelesen haben, vorstellen, dass operative  Eingriffe an den Händen ein Spezialwissen hinsichtlich der Anatomie und Funktion erfordern?

Leider wird die Bedeutung einer gesunden Hand für ein menschliches Dasein viel zu wenig gewürdigt. 

„So wundert es nicht, daß Handchirurgen ihre gesamte Geschicklichkeit und ihren Einfallsreichtum aufbringen, um bei Ihren Patienten die Greiffähigkeit auf unterschiedlichste Weise wiederherzustellen oder überhaupt erst zu ermöglichen. Bei einigen dieser faszinierenden Eingriffe kommt ihnen zusätzlich die Flexibilität des menschlichen Gehirns zugute.“ (Dr. Peter Reill, Handchirurg)


Handchirurgie

Lesen Sie hier eine kurze Geschichte der Handchirurgie

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